Paps II: Schulden Väter ihren Frauen nicht noch etwas?

Paps – Eine Kolumne über das Papa sein

Sie trugen unser Kind monatelang in ihrem Bauch und müssen nach der Geburt gleich wieder ran. Was könnten Väter tun?

Zweieinhalb Minuten, 9 Monate. Das sind, grob geschätzt und leicht überspitzt gesagt die Einsätze von Eltern auf dem Tisch, direkt nach der Geburt. Wie wir wissen, wollen Väter heute gern mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen und sie werten das als „persönlichen Gewinn.“ (Väterreport 2018) Dass in der Realität nach der Geburt trotz allem die Mütter den Großteil der Sorge-Arbeit erledigen, hat viele Gründe.

Einige davon: die Politik, die Wirtschaft und die Muttermilch. Ich glaube aber, dass es diese Gründe den Vätern möglicherweise ein wenig zu bequem machen. Denn wenn wir so tun, als müsste Care-Arbeit für Männer erst einmal schmackhaft gemacht werden, also mit politischen und finanziellen Maßnahmen abgefedert und mit sozialem Ruhm geschmückt, dann verschließen wir doch die Augen davor, dass Mütter diese zusätzlichen Erleichterungen nicht einmal anfragen. Sie tun es einfach.  Mehr als das: Sie sind bereits in Vorleistung gegangen und darüber spricht fast keiner.

„Politik, Wirtschaft und Muttermilch machen es Vätern möglicherweise ein wenig zu bequem.“

Brechreiz und Erbrechen. Verstopfung. Krampfadern. Kurzatmigkeit. Schwindel. Haarausfall. Rückschmerzen. Das sind einige der Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft, die also neben einem Verdienstausfall und dem Beginn einer monatelangen Partypause (kein Alkohol!) noch dazukommen. Für einige mag die Vorfreude oder das Erstaunen über die Fähigkeiten des eigenen Körpers eine gewisse Freude ausmachen, aber davon, einen persönlichen Gewinn aus dieser Zeit zu ziehen, sprechen mit Sicherheit die wenigsten werdenden Mütter.

Wir kommen also an einen Punkt, an dem Väter ihre Teilnahme an der Care-Arbeit nach der Geburt (also mit süßem Baby vor Augen) an Vorzüge knüpfen dürfen, während Frauen zunächst durch ein Tal der Tränen gehen müssen. 

Warum also wagen wir nicht einmal ein Gedankenexperiment? Was würde passieren, wenn Väter sich dazu entschließen würden, mit ihren Frauen gleichzuziehen? Nein, nicht neun Monate lang Eis und Gürkchen essen auf der Couch. Sondern: neun Monate nach der Geburt. Fokus auf die Care-Arbeit. Eine Postschwangerschaft so zu sagen.

„Was würde passieren, wenn Väter sich dazu entschließen würden, mit ihren Frauen gleichzuziehen?“

Großartig, oder? Wie konnten wir so lange übersehen, dass wir die Leistung unserer Frauen auf eine solche elegante Art und Weise würdigen können? Die Mittel dafür stehen ja sogar schon bereit. Männer in Deutschland können sogenannte Vätermonate in Anspruch nehmen, also Elternzeit für Väter mit Ausgleich durch das Sozialamt. Das machen heute schon einige Männer, aber wenn, dann zu wenige (25 Prozent in 2020) und zu kurz (im Schnitt 3,7 Monate).

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Wie aber soll das nun gehen, diese neun Monate zu erreichen, wenn finanzielle Einbußen drohen? (Männer verdienen in der Regel noch immer mehr Geld, das ausbleibende Einkommen bei den nur anteiligen Auszahlungen vom Sozialamt bedeutet unter dem Strich weniger Geld für die Familienkasse.) Es gibt gute Gründe, die Postschwangerschaft sofort nach der Geburt in Anspruch zu nehmen. Wer das aber nicht kann, könnte ja die Zeit strecken und auf 18 Monate verteilen. Oder auf 36. Zum Beispiel: die Care-Arbeit an den Wochenenden übernehmen und so die neun Monate auf Raten abbezahlen. Nein, sorry: Purpose finden, jeden Samstag und Sonntag.

Wer dann noch das Argument bringt, sich von der Arbeit auszuruhen zu müssen, läuft dann automatisch Gefahr, einen gefährlichen Denkfehler zu begehen. In der Schwangerschaft gibt’s ja schließlich auch keine Wochenenden.

In der nächsten Kolumne geht es um das absolute Killertool, um den Frauen die Care-Arbeit ein für alle Mal abzunehmen. Was das ist, und wie das geht: Mehr dazu in wenigen Wochen hier.

Richards ersten Beitrag aus der Reihe Paps – Eine Kolumne über das Papa sein gibt es hier zum Nachlesen: Willkommen im Matriarchat.

Richard ist schon jahrelang mit der Forschung am guten Leben beschäftigt. Er ist Mitgründer und Teil der Chefredaktion des transform Magazins, bei dem es vor allem um Lebensstile und Aktivismus für eine faire Gesellschaft und nachhaltigen Konsum geht. Als freier Werbetexter und Autor ermöglicht Richard es sich immer wieder, über die Runden zu kommen. Für LAYERS schreibt er über aufregende Reisen, gutes Essen und die Schönheit der Langsamkeit im Alltag.

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