Klartext: (Tabu-)Themen über die wir reden müssen

Warum offene Gespräche über Frauengesundheit dringend notwendig sind

„Ich habe so starke Krämpfe, dass ich mich übergeben muss.“

Letztens, beim Frauenarzt: „Dann nehmen Sie doch einfach die Pille, das wird dann alles besser.“ Und dann heißt es auch schon: Die Nächste, bitte. Ein Satz, zwölf Worte und jahrelange Beschwerden sind damit abgehakt.

Das höre ich nicht zum ersten Mal und ich habe manchmal das Gefühl, es spielt keine große Rolle, welche Symptome ich genau habe, geschweige denn wo die Ursache liegt.

Dabei ist die Liste an möglichen Erkrankungen und (hormonellen) Herausforderungen lang, mit denen Frauen konfrontiert werden können: Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS), Endometriose, Wechseljahre, Unfruchtbarkeit und Kinderwunsch – das sind alles Themen, unter denen viele Frauen leiden, mit denen wir uns trotzdem oft alleine vorkommen, Themen, die belasten.

Aber auch: Themen, denen wir nicht ausgeliefert sind, mit denen wir nicht alleine sind, die gehört werden müssen.

Es sind also Themen, die leider häufig zu wenig ernst genommen werden.

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Fotos: Anne Schwerin

Dabei ist es nicht immer leicht, über die eigenen, teils sehr intimen Probleme zu reden. Manchmal schämen wir uns, haben Angst oder wissen einfach nicht genug darüber.

Und obwohl Themen wie die Wechseljahre ganz langsam aber immerhin in kleinen Schritten mehr und mehr Gehör finden, ist es umso ernüchternder, wenn viele Frauen trotzdem noch abgewimmelt werden mit „Ratschlägen“ wie „Nehmen Sie doch einfach die Pille“ oder „Versuchen Sie sich ab und zu ein bisschen mehr zu entspannen“. Entspannen geht auch immer super, wenn es sich anfühlt, als würde der Uterus gerade in zwei Teile gerissen.

Hallo? Hört überhaupt jemand zu?

Ich verstehe, dass es schwer ist, weiterzuhelfen, wenn über entsprechendes Problem noch nicht genug erforscht ist (es wird wirklich Zeit!) aber ich verstehe nicht, wie es sein kann, dass wenn eine Frau nachfragt – und das egal wie laut – sie trotzdem nicht ernst genommen wird.

Weil solche Situationen, in denen Frauen überhört werden, so verbreitet sind, gibt es dafür auch gleich zwei Bezeichnungen (von denen ihr vielleicht auch schon gehört habt): Zum einen Medical Gaslighting, was bedeutet, dass vorwiegend Frauen von Ärzt:innen mit ihren Beschwerden nicht ernst genug genommen werden (Quelle 1).

Zum anderen beschreibt die Gender Pain Gap, dass Schmerzen bei Frauen oft unterschätzt werden. Sie verarbeiten Schmerzen nicht nur anders, oftmals ist auch die Ursache – die bei Frauen übrigens im Gegensatz zu Männern verstärkt mit Hormonen zusammenhängt – viel zu wenig erforscht. Das kann unter anderem zu verspäteten Diagnosen und Behandlungen führen (Quelle 2). Um nur ein Beispiel zu nennen:

Zwar erleiden Männer häufiger einen Herzinfarkt, es sterben aber trotzdem mehr Frauen daran.

Warum das jetzt? Die Symptome sind bei ihnen anders, komplexer und außerdem schlicht: zu wenig erforscht. So sind die Schmerzen anders als bei Männern nicht (nur) im Brustbereich zu finden, sondern sind im Oberbauch, Rücken, in der rechten Schulter und im Unterkiefer möglich, wobei auch Übelkeit und Erbrechen Hinweise sein können (Quelle 3). Anders gesagt:

Die Ursache ist relevant und es ist super wichtig, genau hinzuhören!

Jetzt aber genug aufgeregt.

Was können wir tun?

Für mich war der erste Schritt, meine Frauenärztin zu wechseln, mich nicht mit zu wenig Zeit und „die Nächste, bitte“ wegschicken zu lassen und ich war selbst überrascht, wie viele hilfreiche Tipps mir allein schon viele Frauen aus meinem Umfeld geben konnten. Nachdem ich oft monatelang geschwiegen und am Ende doch Dr. Google (ja, so verzweifelt war ich) gefragt habe, was dieses Ziehen oder jene Veränderung zu bedeuten haben, habe ich realisiert, dass Google wieder einmal falsch liegt (Überraschung), ich weder im dritten Monat schwanger bin noch Gebärmutterhalskrebs habe und dass die Pille nicht die einzige Möglichkeit ist, ein Hormonungleichgewicht auszubalancieren.

Redet also mit anderen Frauen, teilt euer Wissen, fragt, wenn nötig, ein zweites Mal nach und lasst euch auf keinen Fall (mit nur einem Satz und zwölf Worten) abwimmeln – auch wenn es oft anstrengend sein kann.

Denn was immer euer Thema ist:
Ihr seid dem nicht ausgeliefert, nicht alleine damit und das Thema ist es wert, ernst genommen zu werden.

Am Ende spielt es nämlich immer (!) eine Rolle, welche Symptome ihr genau habt und vor allem, wo die Ursache liegt.

Wir alle wissen, dass es oft eine Herausforderung bleibt, an wichtige Informationen zu kommen. Oder wie es Anne in ihrem Artikel schreibt:

Weder mein geschätzter Hausarzt noch meine frühere Frauenärztin haben mich je zum Thema Wechseljahre aufgeklärt. Kein Wunder – das Thema kommt, warum auch immer, im Medizinstudium so gut wie gar nicht vor.”

Daher gibt’s jetzt noch einen Tipp zum Schluss: Falls euch euer Frauenarzt/eure Frauenärztin nicht weiterhelfen kann, gibt es beispielsweise Kliniken für Frauenheilkunde oder Kinderwunschzentren, die gezielt Beratungen zu bestimmten Themen, z.B. Endometriose, Wechseljahre, PCOS oder (unerfüllten) Kinderwunsch anbieten.

Quellen
Quelle 1: Medical Gaslighting
Quelle 2: Gender Pain Gap
Quelle 3: Herzinfarkt Frauen

Für den Master ging es für Helena letztes Jahr nach Leipzig, wo sie als Praktikantin bei LAYERS weitere Erfahrungen im Onlinemarketing sammelt und sich mit der Frage auseinandersetzt, wie sich ein gesunder Lebensstil im Alltag umsetzen lässt. In Zukunft möchte sie weiterhin in der Gesundheits- aber auch der Nachhaltigkeitskommunikation bleiben und die Welt der Medien nutzen, um den Menschen etwas für's Leben mitzugeben.

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